Unsere Augen können mehr als nur sehen

Juni 2020

(Dr. Ludger Wollring im Magazin Freizeit Revue, Juni 2020) Mit den Seh-Organen nehmen wir nicht nur Dinge wahr, wir brauchen sie auch, um uns im Raum zu orientieren oder Distanzen sowie Geschwindigkeiten einzuschätzen Sie gelten vielen als unser wichtigster Sinn und sind in ihrem Aufbau Wunderwerke der Natur. Funktionieren die beiden Seh-Organe aber nicht optimal, wird der Blick mehr oder minder unscharf.

Aufbau. Unser Auge liegt eingebettet in etwas Fett in seiner Höhle. Seine Beweglichkeit gewährleisten sechs verschiedene Muskeln. Nach außen geschützt vor Fremdkörpern wird es von dem Lid. Fällt Licht auf das Seh- Organ, kann es durch die Hornhaut und die Pupille ins Innere dringen. Ähnlich wie bei einer Kamera wird diese Öffnung bei großer Helligkeit eng und bei Dunkelheit ganz weit gestellt. Ein Nerv leitet alle Eindrücke zum Gehirn Hinter der Pupille liegt die Linse. Sie ist für das Nah- und Fernsehen zuständig.

 

Funktion. So sorgen z.B. beim Lesen die Muskeln dafür, dass sich die Linse krümmt, beim Blick in die Ferne flacht sie hingegen ab. Hornhaut und Linse bündeln gemeinsam das Licht und projizieren ein Bild auf die Netzhaut im Inneren des Auges. Dort finden sich zwei Arten von Sehzellen. Die Stäbchen nehmen nur schwarz-weiß wahr. Die Zapfen registrieren Farben. An der Hinterwand der Netzhaut entspringt der Sehnerv. Er leitet die ankommenden Impulse zum Gehirn. Erst dort werden sie in einem Bruchteil einer Sekunde zu einem Bild zusammengesetzt und verarbeitet. Weil wir zwei nahe beieinanderliegende Augen haben, können wir dreidimensional sehen sowie Entfernungen oder die Geschwindigkeit herannahender Dinge einschätzen.

Probleme. Bei immer mehr Menschen funktionieren die Augen nicht optimal. Sie sind fehlsichtig. Dies betrifft bereits 63 Prozent der Erwachsenen. Bei einer Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang. Die einfallenden Lichtstrahlen bündeln sich dann nicht genau auf der Netzhaut, sondern davor. Die Patienten sehen deshalb Dinge in der Nähe klar, Entferntes hingegen verschwommen. Bei der Weitsichtigkeit ist es dann genau umgekehrt.

Regelmäßig zum Check beim Arzt
Zum Teil spielen bei der Entstehung dieser Erkrankungen genetische Faktoren eine Rolle. Heute weiß man aber, dass auch Umwelteinflüsse ihren Anteil haben. Naharbeit wie Lesen oder auch die ständige Beschäftigung mit einem Smartphone fördern das Wachstum des Auges und damit auch die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit.

Verschlechterung. Eine andere Ursache hat Altersweitsichtigkeit – ein natürlicher Prozess, der ca. ab dem 45. Lebensjahr spürbar wird. Da die Augenlinse immer unelastischer wird, bildet sie nahe Gegenstände (z.B. die Zeitung) zunehmend undeutlicher ab.

Therapie. Bei allen Fehlsichtigkeiten ist ein Besuch beim Augenarzt ratsam. Nicht behandelte Probleme können z.B. Kopfweh zur Folge haben. Bei allen über 45-Jährigen ist ohnehin ein regelmäßiger Check alle ein bis zwei Jahre empfehlenswert, um eventuelle Erkrankungen frühzeitig festzustellen. Behandelt werden können Fehlsichtigkeiten mit der passenden Brille oder Kontaktlinsen. Möglich sind zudem Korrekturen per Laser (siehe Experten-Interview rechts). 63% sind bei uns fehlsichtig

Der Facharzt für Augenheilkunde Dr. med. Ludger Wollring von der Augenklinik Altenessen in Essen beantwortet Fragen zur Laserkorrektur.

Dr. Wollring: Weit verbreitet ist die LASIK. Dabei wird zunächst eine dünne Lamelle der Hornhaut präpariert, die wie ein Deckel zurückgeklappt wird. Anschließend trägt der Arzt mit dem Excimer-Laser im Inneren der Hornhaut Gewebe ab, um die Fehlsichtigkeit auszugleichen. Danach wird der „Deckel“ wieder zurückgeklappt. Er saugt sich dann von selbst fest.

Dr. Wollring: Ab etwa dem 50. Lebensjahr werden andere Operationsverfahren bevorzugt, bei denen die eigene Augenlinse gegen eine künstliche ausgetauscht wird. Je nach Fall können auch Mehrstärkenlinsen verwendet werden.

Dr. Wollring: Die Kommission Refraktive Chirurgie, kurz KRC, veröffentlicht Listen mit Augenärzten, die sich regelmäßig fortbilden unter www.aadkongress.de/krc/anwender.php Für die Gesundheit der Augen ist wichtig, was man isst. Von Vorteil ist eine basische Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Nüssen und hochwertigen Pflanzenölen, aber möglichst wenig tierischen Produkten. Es empfiehlt sich vor allem eine gute Versorgung mit Vitamin A und seiner Vorstufe Beta-Carotin. Beide sind nötig für den Sehvorgang und helfen zudem, Nachtblindheit vorzubeugen. Die Stoffe stecken in kräftig gefärbtem Gemüse wie Karotten oder Paprika.

Regelmäßige Bewegung führt dazu, den Sehnerv gut zu durchbluten. Schon ein täglicher Spaziergang von ca. 30 Minuten reicht aus. Wer am PC arbeitet, sollte täglich Augen-Gymnastik machen. Dazu beide Arme mit hochgereckten Daumen ausstrecken. Die Daumen sind zwei Zentimeter auseinander. Auf die Daumen, dann auf einen weit entfernten Punkt an der Wand starren. Zwei Mal wiederholen. Oder Augen schließen, mit der Nasenspitze mehrfach eine liegende Acht in die Luft malen.


Zur News-Übersicht