Beidäugige Doppelbilder beim Begleitschielen (Strabismus concomitans)

Beidäugige Doppelbilder (= binokulare Diplopie) werden verursacht durch Fehlstellungen der Augen, durch ein Schielen (= Strabismus). Dieses kann zeitweise oder dauerhaft auftreten. Es kann tageszeitlich bedingt auftreten, z.B. morgens oder bei Belastung oder abends bei Müdigkeit. Es kann in bestimmten Blickrichtungen auftreten, z.B. immer bei Rechtsblick, oder aber es kann entfernungsabhängig sein. Wenn Sie diese Doppelbilder beobachten, gehen Sie sicher, dass sie verschwinden, wenn Sie sich ein Auge zuhalten, und zwar sowohl wenn Sie sich das linke als auch das rechte Auge zuhalten. Zur Diagnosestellung ist es hilfreich, wenn Sie genau beobachten, wann und wie die Doppelbilder auftreten und wann Ihnen die Störung das erste Mal aufgefallen ist. Doppelbilder müssen in jedem Falle augenärztlich – orthoptisch abgeklärt werden!

Finden sich keine Störungen in der Augenbeweglichkeit, keinerlei Auffälligkeiten bei der Sehschärfe, dem Gesichtsfeld (peripheres Sehen), den vorderen Augenabschnitte und am Augenhintergrund (Fundus), kann von einem sogenannten verborgenen (latentem) Schielen ausgegangen werden. In diesem Fall ist in der Regel keine Abklärung bei anderen Fachärzten notwendig.

Welche orthoptisch- ophthalmologische Therapie ist möglich?
Da jede Schielform individuell verschieden ist, sind im folgenden nur gängige Therapieformen aufgelistet, die leider auch nicht immer bei jedem angewendet werden können!

  • Optimale Brille, manchmal sind zwei separate Brillen sinnvoll für den Fern- und Nahbereich. Die Brillenbestimmung sollte sowohl subjektiv mit den Angaben des Patienten als auch objektiv mit weiter Pupille (Mydriasis) erfolgen.
  • Treten die Doppelbilder nur in einer bestimmten Blickrichtung auf, ist diese zu meiden, oder sogar der Kopf in diese Richtung zu drehen, um dieser Blickrichtung aus dem Wege zu gehen. Dies kann z.B. bei seit der Geburt bestehenden (congenitalen) Muskelfunktionsstörungen der Fall sein (Kopfzwangshaltung).
    0. Bei Schwierigkeiten im Nahbereich aufgrund einer Konvergenzschwäche oder geringen latenten Schielabweichungen, können orthoptische Übungen oder auch schon mal Schulungen indiziert sein.
  • Sind die Doppelbilder persistierend und oder rezidivierend, können Prismenfolien erprobt werden.
  • Bei kleinen Schielwinkeln sollten so wenig wie möglich Prismen ordiniert werden, aber so dass der Patient beschwerdefrei ist. Nicht immer klappt der erste Versuch, die Anpassung ist zeitaufwendig und erfordert sehr viel Geduld von dem Patienten und dem Untersucher. Evtl. sind auch verschiedene Prismen für den Fern- und Nahbereich erforderlich. Wenn die Prismenfolie keinerlei Erleichterung bringt, ist es besser, sie wegzulassen. Wurde die optimale Prismenstärke gefunden, können Prismen bis zu einem gewissen Grad in eine Brille eingeschliffen werden (entlastender Prismenausgleich).
  • Bei größeren Schielwinkeln kann es sein, dass ein sogenannter Prismenaufbau durchgeführt wird, weil nur eine Schieloperation eine langfristige Beschwerdeverbesserung bringen kann.
  • Manchmal ist eine Schieloperation die sinnvollste Methode zur Befundverbesserung.
  • Regelmäßige ophtalmologisch – orthoptische Kontrollen sind anzuraten, z.B. alle 8-12 Wochen.
  • Wir weisen Sie hiermit ausdrücklich darauf hin, dass das Auto – Fahren mit Doppelbildern vom Gesetzgeber her verboten ist.

Bei weiteren Fragen, wenden Sie sich bitte an:

Dr. med. Ludger Wollring – Augenarzt –
Dr. med. Christian Ameye – Augenarzt –
Gabriele Hoffmann – Orthoptistin