Informationsblatt zur Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung)

Unter Lese-Rechtschreib-Störung (Legasthenie / Dyslexie) versteht man eine erbliche oder frühkindlich erworbene Schwäche der Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache. Dies kann zu schulischen Problemen führen. Die Kinder lesen langsam, stockend und fehlerhaft, aber auch flüchtig schnell und falsch. Es werden Buchstaben ausgelassen, verdreht oder andere eingefügt. Beim Schreiben fällt eine große Fehlerzahl auf. Etliche Wörter sind nicht wiederzuerkennen. Darüber hinaus kann es unterschiedlich starke Kombinationen von Teilleistungsschwächen z.B. im Hören, Sehen oder der Motorik geben. Dennoch sind die Kinder oft überdurchschnittlich intelligent, und die übrigen Körperfunktionen sind nicht gestört.

Hinweise im Vorschulalter: Familiäre Vorbelastung, verzögerte Sprachentwicklung, schlechte Augen- Handkoordination, Probleme die Handflächen aneinander zu reiben, Probleme bei Lautdifferenzierungen, Probleme beim rhythmischen Klatschen.

Die eigentliche Ursache der Legasthenie sind Störungen im Hör-, Sprach- und Sehzentrum. Als erstes sollte der Kinderarzt eine organische Erkrankung ausschließen. Darüber hinaus können neurologische und psychiatrische Untersuchungen folgen. Eine Testung der Lese- und Schreibfähigkeit sowie der Intelligenz sollte sich anschließen. Ebenso eine Untersuchung der Hör- und Sprachfähigkeit.

Eine sorgfältige Untersuchung beim Augenarzt (incl. Sehschuluntersuchung), der darüber informiert sein sollte, dass eine Lese- Rechtschreibstörung vorliegt, sollte unbedingt erfolgen. Bei Legasthenikern sollten auch geringe Fehlsichtigkeiten mit Hilfe einer Brille ausgeglichen werden. Bei Akkommodationsschwächen (= Probleme bei der Naheinstellung) und verstecktem Innenschielen sind Bifokalbrillen oftmals empfehlenswert. Manchmal werden auch Spezialbrillen mit Prismen angefertigt. In einigen Fällen werden Kindern Übungen zur Naheinstellung empfohlen. Unter Umständen wir Ihnen der Augenarzt eine Untersuchung der Blicksprungbewegungen empfehlen (z.B. „Express-Eye“ in der Augenklinik Mülheim) Sollten Sie von anderen hilfreichen Augentherapien erfahren, sprechen Sie vor der Durchführung bitte erst mit Ihrem Arzt darüber, denn es gibt etliche Therapieformen, die umstritten sind.

Weitere Unterstützung findet das Kind in gut gedruckten Arbeitsvorlagen, manchmal hilft auch ein Lesestab weiter (mit und ohne Lupeneffekt). Wichtig können auch manchmal Zeitzuschläge (etwa bis 50%) bei schulischen Arbeiten sein. Das Abhören der Schulaufgaben per Walkman und das gleichzeitige Lesen des Arbeitsblattes erleichtern oftmals das Textverständnis.

Je nach Auffälligkeiten in den verschiedenen Bereichen sollte über eine spezielle Therapie z.B. beim Logopäden, Sprachheiltherapeuten, Ergotherapeuten oder Krankengymnasten nachgedacht und angesteuert werden. Die Therapiekosten werden für Legasthenikern von der Krankenkasse übernommen, wenn die behandelnden Therapeuten eine Zusatzausbildung haben. In der Schule oder auch in außerschulischer Nachhilfe sollte eine gezielte Förderung der Legasthenie stattfinden. Um hierfür die Therapiekosten erstattet zu bekommen, muß ein Antrag beim Jugendamt gestellt werden. In schwereren Fällen ist über Einzelunterricht oder eine besondere Schulform nachzudenken.

Wichtig ist, dass das Kind in seinen Fortschritten immer wieder ermutigt wird und dass es gelobt wird. Es gibt viele Situationen, in denen das legasthene Kind demotiviert wird und sich an den Rand gedrängt fühlt, dass es auch zu psychischen, psychomotorischen Störungen und echten organischen Störungen kommen kann. Scheuen Sie deswegen nicht den rechtzeitigen Weg zum Arzt.

Dieses Informationsblatt bietet nur einen kleinen Einblick in das umfangreiche Thema der Legasthenie. Für einen tieferen Einblick stehen diverse Bücher zur Verfügung, die über den Fachhandel bestellt werden können. Wir empfehlen z.B. folgendes Buch: M. Firnhaber: Legasthenie und andere Wahrnehmungsstörungen, Fischer-Verlag, 1996, Nr. 13197, .

Ist in ihrer Familie Legasthenie bekannt oder besteht der Verdacht auf eine Legasthenie, empfehlen wir eine Kontaktaufnahme zum Bundesverband Legasthenie e.V.

Gerne stehen wir ihnen zu weiteren Fragen der Legasthenie aus dem augenärztlich – orthoptischen Blickwinkel zur Verfügung.

 

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