Informationsblatt zum Schielen Ihres Kindes

Ihr Kind schielt. Das heißt, es liegt eine Fehlstellung in der Zusammenarbeit beider Augen vor. Man unterscheidet ein kleinwinkliges von einem großwinkligen Schielen. Ihr Kind hat:

– ein kleinwinkliges Schielen (Mikrostrabismus). Diese Art des Schielens wird oft von Laien übersehen, und ist auch nur von einem geschulten Beobachter (Orthoptistin / Augenarzt) bei guter Kooperation des Kindes festzustellen. Bei dem Mikroschielen findet sich häufig eine Fehlsichtigkeit (Weitsichtigkeit), fast immer ein sehschwaches Auge (Amblyopie) und meist ein reduziertes beidäugiges Zusammensehen (Stereosehen).

– ein kosmetisch auffälliges Schielen (Strabismus). Diese Art des Schielens fällt bereits meist den Eltern auf, da ein Auge deutlich nach innen (Esotropie), nach außen (Exotropie) oder / und in der vertikalen Ebene (Vertikaldeviation) abweicht. Auch bei diesem Schielen findet sich meist eine Fehlsichtigkeit und ein sehschwaches Auge (Amblyopie). Räumliches Sehen kann sich in der Regel nicht entwickeln.

Eine Therapie ist beim Schielen unerlässlich! Je eher die Therapie begonnen wird, um so besser die Prognose! (Therapiebeginn ab ca. 4. Lebensmonat). Ein Schielen „verwächst“ sich nicht.

1. Brillenkorrektur: Als erstes wird mit Hilfe einer objektiven Brillenbestimmung (mit Augentropfen) eine evtl. Fehlsichtigkeit festgestellt und ggf. auskorrigiert. Dabei wird z.B. beim Innenschielen versucht, die Weitsichtigkeit möglichst komplett auszugleichen, da sich beim Ausgleich der Weitsichtigkeit der Schielwinkel oft verringert (z.T. Reduktion auf ein Mikroschielen, z.T. sogar ausgeglichen!).

2. Okklusion: Danach entscheidet Ihre Orthoptistin / Ihr Augenarzt aufgrund der subjektiven Sehschärfenangaben des Kindes und der objektiven Befunde über eine Okklusionstherapie, d.h. das Zukleben eines Auges. Eine Klebetherapie wird dann notwendig, wenn ein Auge besser sieht, oder wenn immer das gleiche Auge schielt. Es wird immer das sehbessere / nicht -schielende Auge zugeklebt, damit sich die Sehschärfe auf dem anderen Auge entwickeln kann. Wird die Klebetherapie unterlassen, wird das schielende Auge sehschwach, obwohl es organisch gesund ist. Ein Anhaltspunkt dafür, dass beide Augen gleich gut sehen, ist, dass beide Augen abwechselnd schielen. Eine Schielwinkelreduktion wird durch die Klebetherapie in der Regel nicht erreicht.

Abkleben des rechten Auges: …..Stunden pro Tag

Abkleben des linken Auges: ……. Stunden pro Tag

Wie viele Stunden pro Tag ein Auge zugeklebt werden muß, hängt primär von dem Ausmaß der Sehschwäche und dem Alter des Kindes ab. Je älter ein Kind wird, desto schwieriger und langwieriger wird es, die Sehschärfe zu verbessern. Halten Sie sich bitte unbedingt an die Anweisungen der Orthoptistin / des Arztes! Ist das Ziel der seitengleichen Sehschärfe erreicht, müssen weiterhin regelmäßige Kontrollen stattfinden, da die Sehschärfe bis zum 14. Lebensjahr abfallen kann und dadurch eine erneute Okklusionstherapie erforderlich werden kann.

3. Schielwinkelreduktion: Bei dem kosmetisch auffälligen Schielen streben wir eine deutliche Schielwinkelreduktion an, damit Ihr Kind noch die Chance bekommt, räumliches Sehen zu erlernen. Dies werden wir primär konservativ probieren (Brille, evtl. mit einem speziellen Nahteil). Gelingt dies nicht, muß oft eine operative Schielwinkelreduktion durchgeführt werden. Da es sehr viele verschiedene Schielarten gibt, muß über die Therapie eines jeden Patienten individuell entschieden werden.

Auch wenn kosmetisch ein Parallelstand beider Augen erreicht ist, heißt dies nicht, dass die Behandlung bereits beendet ist.

Sollten Sie noch weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns!

Dr. med. Ludger Wollring – Augenarzt –
Dr. med. Christian Ameye – Augenarzt –
Gabriele Hoffmann – Orthoptistin –
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