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Medikamente zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration

Intravitreale Injektion

Im Jahre 2004 wurde der Öffentlichkeit ein völlig neues Behandlungsprinzip der feuchten Makuladegeneration vorgestellt und in der Presse als „Quantensprung in der Augenheilkunde“ gefeiert.

Mit der Entwicklung von sogenannten Gefäßwachstumshemmern (Anti-VEGF-Therapie), die vor allem in der Tumortherapie eingesetzt werden, wurde somit eine neue Ära eingeläutet. Sie hat die PDT als bis dahin wirksamstes schulmedizinisches Verfahren, neben der thermischen Lasertherapie, abgelöst. (Bei der photodynamischen Therapie, abgekürzt PDT, handelt es sich um eine Kombination aus Medikamentengabe und anschließender Verödung der Gefäßwucherungen im Netzhautbereich mittels eines speziellen Lasers. Das umgebende Gewebe bleibt intakt und nur das wuchernde Gefäß wird hierbei zerstört.) Während Lasertherapie und PDT den Verlauf der Erkrankung verlangsamen, kann die intravitreale Injektion in der Regel sogar zu einer deutlichen Sehverbesserung führen.

Mittlerweile gibt es mehrere Präparate zur intravitrealen Injektion. Nicht alle sind aber für gesetzlich versicherte Patienten im Rahmen der EBM-Abrechnung in Deutschland zugelassen. Dies ist dadurch begründet, dass die Gefäßwachstumshemmer ursprünglich nur für die Tumortherapie entwickelt und eingesetzt wurden. Dass man auch eine Wirkung an der Makula aufzeigen konnte, bedeutete aber nicht konsequenterweise, dass diese Mittel dann auch für eine andere Indikation zugelassen wurden. Daher wird der Einsatz einiger dieser Medikamente in der Augenheilkunde auch off-lable-use genannt. (Off-lable-use ist die Verordnung eines zugelassenen Medikamentes außerhalb des mit der Zulassung von Arzneimittelbehörden genehmigten Gebrauchs, d.h. mit einer anderen Indikationsstellung.)

Die unterschiedlichen Krankenkassen bieten unterschiedliche Leistungen und haben unterschiedliche Verträge mit den jeweiligen behandelnden Augenärzten geschlossen. Dies variert sogar von Bundesland zu Bundesland. Wir sagen Ihnen, welches Medikament Ihre Kasse favorisiert und beraten Sie hierzu gerne.

Wirkweise

VGEF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Protein, das in dem komplexen Vorgang der Angiogenese, der Bildung neuer Gefäße, eine wichtige Rolle spielt. Auch einige Tumoren produzieren dieses Protein für die eigene Gefäßbildung. Bei der feuchten Makuladegeneration entstehen ebenfalls neue, schadhafte Gefäße. Sie wuchern in die Makula und, weil sie undicht sind, sondern sie Flüssigkeit ab. Dies nennt man auch Ödem. Durch diesen Vorgrgang werden Sinneszellen zerstört, die zentrale Sehschärfe nimmt deutlich ab und geht innerhalb weniger Jahre verloren. Anti-VEGF-Faktoren, sogenannte Gefäßwachstumshemmer, verhindern die Bildung dieser neuen Gefäße.

Nebenwirkungen

„Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“ wussten schon die alten Griechen. VEGF besitzt eine Schlüsselrolle für die Regulation der Angiogenese. Weil dieser pluripotente Faktor aber auch physiologische Abläufe wie Hämodynamik, Hämatopoese, Immunabwehr, Hormonfreisetzung und Wundheilung beeinflusst, können Interaktionen in diesen Abläufen bei einer medikamentösen Hemmung natürlich nicht verhindert werden. Da in der Augenheilkunde diese Stoffe aber nur lokal appliziert werden, wurden allgemeine Reaktionen des Gesamtorganismus bisher nicht beobachtet.

Die z.Zt. eingesetzten Medikamente

Ranibizumab (Lucentis®)

Lucentis von Novartis kostet ca. 1.265 €

ist ein Antikörperteilstück mit einer VEGF-blockierenden Wirkung und in Deutschland zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration zugelassen. Es wird außerdem zur Behandlung der diabetischen Retinopathie sowie für Gefäßkrankheiten der Netzhaut eingesetzt.

Bevacizumab (Avastin®)

„ausgeeinzelte“ Fertiginjektion Avastin ca. 51 bis 58 €

ist ein Antikörper, welcher an VEGF bindet und somit die Bindung an den VEGF-Oberflächenrezeptor verhindert. Damit kann die Bildung neuer Blutgefäße inhibiert werden.

Bevacizumab wurde in Deutschland für die Behandlung verschiedener bösartiger Tumorerkrankungen zugelassen. Als äußerst wirksam hat sich Bevacizumab in der Augenheilkunde bei der Therapie der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) gezeigt. Leider wurde Bevacizumab hierfür aber nicht zugelassen, im Gegensatz zum 25-fach teureren Ranibizumab. Ein Schalk, wer Böses dabei denkt!

Avastin® ist ein dem Lucentis sehr ähnliches Präparat. Es blockiert, im Gegensatz zu Macugen® (siehe weiter unten), alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit in den Jahren 2006 und 2007 von Macugen® und Lucentis® wurde Avastin erstmals auch für die Behandlung der feuchten AMD eingesetzt. Da es hierfür offiziell aber nie zugelassen wurde, erfolgt diese Behandlung seither als off-label-use (siehe oben) und wird von vielen Augenärzten zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration, der diabetischen Retinopathie und von Gefäßkrankheiten der Netzhaut im Rahmen mit sehr gutem Erfolg eingesetzt.

Im Rahmen mehrerer Vergleichsstudien zwischen Lucentis® und Avastin® (z.B. CATT-Studie, IVAN-Studie, GEFAL-Studie) wurde inzwischen eine vergleichbare Wirksamkeit nachgewiesen. Eine Vergleichsstudie zwischen Avastin® und Eylea® liegt noch nicht vor, da jedoch zwischen beiden Medikamenten und Lucentis kein Unterschied nachweisbar ist, ist von einer vergleichbaren Wirkung aller drei Medikamente auszugehen.

Alfibercept (Eylea®)

wurde Ende 2012 in Deutschland für die Behandlung zugelassen. Eylea ist ein humanes, rekombinantes Fusionsprotein, welches alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF und einen weiteren Wachstumsfaktor, den PIGF (Placental Growth Factor), blockiert. Wie auch die anderen o.g. Mittel wird es hauptsächlich zur Krebstherapie eingesetzt.

Fluocinolonacetonid-Implantat (Iluvien®)

ist seit Mai 2013 auf dem deutschen Markt erhältlich und als erstes intravitreales Implantat zur Langzeitbehandlung bei chronischem diabetischem Makulaödem (DMÖ) zugelassen. Es bietet Patienten, die unter Sehstörungen in Verbindung mit chronischem DMÖ leiden und auf andere verfügbare Therapien nur unzureichend ansprechen, eine effektive und sichere Therapiealternative.

Pegaptanib (Macugen®)

Diese Substanz, bereits 2006 für den europäischen Markt zugelassen, wirkt spezifisch gegen eine bestimmte Form des Wachstumsfaktors VEGF. Das Medikament wird nach wie vor zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration eingesetzt.

Triamcinolon/Dexamethason (Cortison)

Kortisonpräparate können entzündliche Reaktionen und das Aussprossen von Gefäßen hemmen und zusätzlich verhindern, dass diese Gefäße undicht werden. Sie werden zur Behandlung von Venenthrombosen am Augenhintergrund eingesetzt, der diabetischen Retinopathie, der feuchten Makuladegeneration sowie bei schweren Entzündungen des Augeninneren (Uveitis). Zugelassen ist in Deutschland nur Dexamethason (Ozurdex®) in einer speziellen Darreichung mit verlängerter Wirkdauer und nur für die Indikation der Venenthrombosen am Augenhintergrund.

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Fotos: ©Esodoxia AG

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